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Gartenausflug nach Köln

Georg Arends Förderkreis – Gartenausflug nach Köln

Am 6. Juli 2011 fand der erste Gartenausflug des Georg Arends Förderkreises statt und war – um es gleich vorweg zu sagen – rundherum gelungen. Ein schöner Anfang!

Die Exkursion mit zwei gleichermaßen spannenden Schwerpunkten führte nach Köln.

Das wegweisende und innovative Wirken Fritz Enckes als Kölner Gartendirektor (1903-1926) stand am Vormittag im Mittelpunkt, die Führung von Dr. Kristin Lammerting durch ihren faszinierenden englischen Garten begeisterte die Gruppe am Nachmittag.

Treffpunkt in Köln war der Römerpark nahe der Rheinuferstraße gegenüber dem alten Universitätsgebäude. In unmittelbarer Nähe liegt der von Encke geschaffene, historisch und gestalterisch außerordentlich interessante Friedenspark.

Die Führung durch die beiden Kölner Stadtteilparks hatte Karla Krieger, die sich nach Gartenbauausbildung und Architekturstudium intensiv mit Gartengeschichte und Gartendenkmalpflege befasst und den Förderkreismitgliedern durch ihr Engagement für die „Villa Wellblech“ bekannt ist.

Friedenspark

Für Fritz Encke, einem Zeitgenossen von Georg Arends, war die Nutzungsmöglichkeit der Parks und Grüngürtel durch alle Bevölkerungsschichten und für alle Altersgruppen stets ein Anliegen. Wie sehr sich seine Vision von den Auffassungen der wilhelminischen Zeit unterschied, wurde selbst an zunächst unscheinbar erscheinenden Details deutlich. Durch wenige Stufen Niveauunterschied schuf er Gartenräume mit eigener Atmosphäre. Zurückhaltende Eingriffe und genial einfache Lösungen wie die gerade Wegführung durch den bereits bestehenden Römerpark als Verbindungsachse zur damals neu gebauten und für das Kölner Selbstbewusstsein enorm wichtigen Universität zeigen, welche Bedeutung für ihn die alltägliche tatsächliche Nutzung von Grünanlagen durch die Menschen hatte. Nach dem 2. Weltkrieg setzte sich übrigens Konrad Adenauer ganz entschieden und erfolgreich für den Erhalt der Kölner Grüngürtel ein.

Im Friedenspark wird die gartengestalterisch visionäre Arbeit Fritz Enckes, der zahlreiche Parks und Grünlagen wie die Grüngürtel gestaltete, sinnfällig. In einem Faltblatt von Karla Krieger ( www.roemerpark-koeln.de ) heißt es im Hinblick auf die Bedeutung des wenig bekannten Friedensparks: „Dabei zeigt doch gerade diese Anlage das enorme gestalterische und gärtnerische Können des Gartenkünstlers Encke, der im Herzen auch immer Gärtner geblieben war. Auf kleinstem Raum in topografisch schwierigem Gelände realisierte er eine Anlage im modernen „architektonischen“ Stil. Die formale, räumliche Gestaltung sollte die Bewohner der Umgebung dazu animieren, ihren Lebensraum in den Park zu erweitern.“

Beim Besuch wurde zugleich überdeutlich erkennbar, was durch fehlende Mittel und nicht zuletzt durch mangelnde Fachlichkeit in Folge von Personalkürzungen an großartig gestaltetem, öffentlichem Gartenraum inzwischen verloren geht. Der Rosengarten ist verschwunden und die Natursteinmauern durch unsachgemäße Arbeiten teilweise zerstört.  Dabei könnte unter Berücksichtung der gestalterischen Konzeption mit den gleichen Mitteln u. a. beim Schnitt der Hecken auf der „richtigen“ Höhe viel erhalten und gerettet werden, so dass die Gartenräume weiter gern genutzt werden und nicht zu Angsträumen auswachsen.

Enckes Wohnhaus im Volksgarten

Der nächste erkenntnisreiche Höhepunkt war der Besuch von Enckes Wohnhaus im von Enckes Vorgänger Adolf Kowallek angelegten Kölner Volksgarten auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Kölner Stadtgärtnerei. Fritz Enckes Haus befand sich in dem im Laufe der Geschichte zerstörten und teilweise wieder aufgebauten Gebäude, das als einzige noch erhaltene so genannten Lünette ehemals ein Pulvermagazin des alten preußischen  Kölner Festungswerks war. Sehr aufschlussreich sind die Beiträge im Themenheft „Lünette  3“ der Zeitschrift ‚Angemerkt – Thesen, Skizzen und Zwischenberichte zur Baugeschichte und Denkmalpflege’ vom März 2009, Heft Nr. 11.

Als „Orangerie“ bezeichnet befindet sich dort heute ein interessanter Theater- und Veranstaltungsraum mit schönem Innenhof, der sich auch für größere Feste eignet.

Nur wenigen scheint die Bedeutung dieses erhaltenswerten, einmaligen kulturellen und geschichtsträchtigen Erbes auf diesem Gelände bereits vor Enckes Zeit bekannt zu sein.

http://www.orangerie-theater.de/pdf/orangerie-geschichte.pdf

Die spannenden Ausführungen von Karla Krieger und der beinahe abenteuerliche Weg durch den früheren Garten Enckes eröffnete weitere Erkenntnisse. Schmerzlich wurde klar, wie schwierig es sein kann, Interesse und Bewussten für den Erhalt für auf den ersten Blick so unscheinbare „alte“, jedoch historisch sehr seltene Gebäude wie das dort noch vorhandene große, fragil wirkende Gewächshaus zu wecken. Hier wird eine Parallele zur „Villa Wellblech“ deutlich und die Bedeutung des Engagements sachkundiger Menschen.

Karla Krieger und Anja Maubach vermittelten viele Anregungen und Einsichten. Ob sich Georg Arends (1863-1952) und Fritz Encke (1861 – 1931) bei den möglichen Berührungspunkte tatsächlich kannten, ist noch eine Frage, auf die die Auswertung des Arends-Archivs vielleicht einmal eine Antwort geben könnte.

Ein englischer Garten in Köln

Am Nachmittag empfing uns Dr. Kristin Lammerting in ihrem englischen Garten. Sie ist durch ihre Bücher, u. a. zu Gärten im englischen Stil und den Traumgärten Neuseelands, und ihre Vorträge in „unserer“ Ronsdorfer Staudengärtnerei vielen im Förderkreis bekannt.

Ihr Garten nach englischem Vorbild in Köln hat auf ca. 8000 Quadratmetern viel zu bieten. Insgesamt dreizehn ganz unterschiedliche Gärten sind hier gestaltet. Ihre interessante Führung begann im Terrakotta – Garten neben dem Haus und dem unterhalb der Terrasse gelegenen, frisch geschnittenen grün-roten Knotengarten. Von dort führte sie die Gruppe auf spannenden Wegen zu den verschiedenen Gartenräumen mit ihrer jeweils eigenen,  unverwechselbaren Atmosphäre. Dass der Garten mitten in Köln liegt, ist manchmal kaum zu ahnen.

Auf ihrer Homepage schreibt Kristin Lammerting:  Die Engländer sagen: “You don’t buy a house, you buy a view“. Eine schöne Aussicht gab es auf unserem Grundstück wahrlich nicht, nur auf Nachbarhäuser. So schien die Lösung einfach: ein formaler englischer Garten mit einem Labyrinth von grünen Zimmern. Wir wollten den Blick bewusst durch Mauern und Hecken begrenzen und ohne Ablenkung die einzelnen Themengärten genießen. Gestaltete Achsen und Ausblicke, erlauben es, den Garten zu erfassen und gleichzeitig beim Spaziergang die Spannung auf das nächste Gartenzimmer zu halten.“ ( www.englischer-garten-koeln.de )

Die Geschichte des Gartens und unterhaltsame Gartengeschichten verwoben sich zu einem äußerst interessanten Muster, abwechslungsreich wie der große Garten selbst, in dem es viel zu entdecken gibt. Immer neue Bereiche und Themen und Blicke eröffnen sich im Laufe der Führung, z. B. auf einen kleinen Kirchturm, dessen Glocke sogar ertönen darf. Nach dem Aufstieg aus der Wildnis des Wassergartens durch den Treppenturm auf die Ebene von Taubenhaus und Gartenpavillon, der zur Tea Time einlädt. Von hier führt ein geschwungener Kiesweg durch einen Blumengarten, dessen Gestaltung Anregungen von Sir Roy Strong enthält. Es gibt einen Sonnen- und einen Mondgarten. Und es gibt nicht nur einen von Sissinghurst inspirierten weißen, sondern inzwischen sogar einen schwarzen Garten, der zu Ruhe und Besinnung einlädt und doch mit skurrilen Geschichten verknüpft ist. Viele schöne Eindrücke, Bilder und Ideen von dieser sommerlichen Führung werden im Gedächtnis bleiben. Zum Abschluss genossen wir noch einmal den Blick von der Terrasse auf das englische Kölner Gartenparadies.

Der Tag war  wunderbar abwechslungsreich, sehr informativ und außerordentlich anregend.

Für die Vorbereitung und Organisation dieses rundherum gelungenen Tages gilt dem Förderkreis-Mitglied Hans-Henning Siepel ein ganz herzlicher Dank.