Wissenschaftliche Beschreibung nach 100 Jahren wiedergefunden
Spätestens seit der Mitte des neunzehnten bis zum Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts war es für das gebildete Bürgertum selbstverständlich, dass in ihren Gärten und Parks Farne wuchsen.
Die Engländer hatten ihnen (mal wieder) die Augen geöffnet für den Reiz dieser Pflanzen. Dort auf der Insel, in dem mildfeuchten Klima, wuchsen inzwischen Farne aus fast allen Ländern der Erde. Da wollten die Westeuropäer nicht nachstehen. Aber nicht alles, was in England wächst, wächst auch bei uns. Es fehlte also an attraktiven Farnen, die dem kontinentalen Klima gewachsen waren.
Georg Arends erkannte diese Lücke und erzeugte aus zwei robusten Farnarten erst eine Hybride und daraus eine neue Farnart. Farne erfreuten sich zu Kaisers Zeiten einer sehr hohen Beachtung. Neue Arten erkannte man nur an, wenn sie von einem berühmten, intereuropäisch bekannten Botaniker wissenschaftlich beschrieben wurden. Eine solche Berühmtheit war der Schweizer Jurist, Botaniker und Farnspezialist Dr. Christ in Bern. Georg Arends hatte scheinbar etwas Mühe, von diesem Mann überhaupt akzeptiert zu werden. Er schreibt in seinen Lebenserinnerungen
Ein mir bekannter Schulrat hatte Wedel des ersten Bastards an den Farnspezialisten Dr. Christ gesandt, der jedoch den Hybridencharakter bezweifelte. Erst als ich durch HAHNE** Wedel der zweiten Generation in allen Übergängen ihm zur Verfügung stellte, sah er die Richtigkeit meiner Darstellung ein und nannte den Farnbastard Polystichum arendsii.
Das muss im Jahre 1905 oder 1906 gewesen sein, denn Ende 1906 wurde die Wissenschaftliche Beschreibung von Dr. Christ veröffentlicht.
In den folgenden Jahren ging der Farn, aus welchen Gründen auch immer, in der Gärtnerei verloren. In keinem Fachbuch haben wir den Namen dieses Farns gefunden. Kein uns bekannter Farnliebhaber kannte den Namen Polystichum arendsii, so dass mit Zurückhaltung auf die Rechtmäßigkeit dieses Titels reagiert wurde. Das ist nun vorbei.
Herr Andreas Sarazin, Diplombiologe aus Essen, fand in einer Botanischen Zeitschrift von 1906 den Originalartikel von Dr. Christ und stellte uns diese Abbildung zur Verfügung.
Danke Herr Sarazin!
Damit ist sichergestellt, dass die Nachzüchtung dieser Art den Namen Polystichum arendsii, deutscher Name Arends Schildfarn, tragen darf.
Den damaligen Anforderungen entsprechend hat Dr. Christ die Beschreibung in lateinischer Sprache verfasst. Für die zukünftige Sichtung der in Arbeit befindlichen Nachzüchtung ist eine detaillierte Übersetzung des Textes sehr wichtig. Wir suchen nun einen kompetenten Menschen, der im Rahmen des Förderkreises diesen Text für uns übersetzen kann. Er möge sich bitte bei Anja Maubach, Gärtnerei Arends Maubach, (stauden@arends-maubach.de) oder dem Georg Arends Förderkreis (info@georg-arends.de) melden .
Wir würden uns sehr freuen.
S. Piller, im Januar 2011
** Wahrscheinlich Hahne, August – geb. 19.02.1873 in (Wuppertal-)Barmen – gest. 01.07.1952 in Bonn. Von 1907 – 1912 erster Vorsitzender des “Botanischen Vereins der Rheinlande und Westfalens”,unter Anderem Stadtschulrat in Hanau, Ehrenmitglied der Naturwissenschaftlichen Vereine in Krefeld und in Wuppertal. Seit 1934 Geschäftsführer des Naturhistorischen Vereins der Rheinlande und Westfalens (NHV) in Bonn. Träger der Ehrenkette der Universität Bonn.